Vorwort

Die vorliegende Arbeit basiert auf einer vor einiger Zeit unternommenen und nun für den besonderen Anlass wieder aufgegriffenen Studie, die sich mit der Onomasiologie des Begriffs ‚Durchfall‘ in den romanischen Sprachen beschäftigt. Ziel dieser Arbeit ist es, eine Vielzahl von verschiedenen volkstümlichen Bezeichnungen für die Krankheit ‚Durchfall‘ in den romanischen Sprachen aufzuzeigen und durch eine eingehende synchronische und diachronische Betrachtung die Sprachstruktur der Romania, die Etymologie und die Motiviertheit einzelner Bezeichnungen mithilfe von Wörterbüchern und Sprachatlanten – soweit in diesem Rahmen möglich – zu erhellen.1 Dabei wird von dem Gegenstand ‚Durchfall‘ ausgegangen. Sollte es sich um eine speziellere Art des Durchfalls handeln, wird im Text ausdrücklich mit einem in Klammern gesetzten Ausrufezeichen darauf hingewiesen, sofern die eingeschränkte Bedeutung auszumachen war.

Sylvia Setzkorn - Portrait


Sylvia Setzkorn, Dr. phil., seit 2001 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Romanistik der Humboldt-Universität zu Berlin. Studium der Romanischen Philologie (Französisch/ Italienisch) sowie Geschichte in Köln und Florenz. 1995–2001 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Romanistik der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. 2000 Promotion.

1 Definition des Gegenstandes

In der Brockhaus Enzyklopädie findet sich folgende Erklärung:

Durchfall, Diarrhö, häufige Entleerung breiigen oder wäßrigen, je nach Ursache auch mit Schleim, Eiter und Blut vermengten, meist vermehrten Stuhls; sie wird v.a. durch eine reizhaft gesteigerte Darmtätigkeit bewirkt, wodurch es zu einer mangelnden Stuhleindickung im Dickdarm kommt, bei einer Reihe von Infektionen auch durch gesteigerte Ausscheidung von Flüssigkeit in den Darm. Durch Dickdarmerkrankungen verursachter D. geht i.d.R. mit krampfartigen Leibschmerzen […] einher. […] Zu einer übersteigerten Darmbewegung kommt es zum einen durch psych. Einflüsse (Aufregung, Angst) […]. Infektiöse D.-Erkrankungen (v.a. Typhus, Ruhr, Cholera, Salmonelleninfektion, Darmtuberkulose) gehören bes. in den Entwicklungsländern zu den häufigsten und gefährlichsten Krankheiten mit hoher Sterberate […].2

2 Die Vielfalt der Bezeichnungen

2.1 Die wissenschaftliche Bezeichnung

Strikt von der volkstümlichen Bezeichnung zu trennen ist die wissenschaftliche Bezeichnung. Letztere zeichnet sich dadurch aus, dass sie im Bewusstsein des Volkes ein Fremdkörper ist, während die volkstümliche Bezeichnung eine Vorstellung und Wertung bezüglich des Gegenstandes enthält. Die wissenschaftliche Bezeichnung für ‚Durchfall‘ lautet nfr. diarrhee, it. diarrea, sp./pg. diarreia und rum. diarree. Sie geht auf das griechische Wort ‚ῥεῦμα‘ ‚Fließen‘ zurück, das über lat. diarrhoea laut FEW im Zuge des Renaissance-Humanismus im 16. Jahrhundert in die romanischen Sprachen entlehnt worden ist.3 Diese Bezeichnung gilt heute allgemein als Ausdruck der Hochsprache und findet als Terminus der Medizin durch sein gelehrtes Prestige eine weite Verbreitung in der Romania, so dass die befragten Sprecher zuerst diese und erst an zweiter Stelle den volkstümlichen Ausdruck nennen, um der gepflegten Normsprache gerecht zu werden. Die volkstümliche Bezeichnung herrscht in der alltäglich gesprochenen Sprache jedoch vor, was allein die Vielzahl der lexikalischen Varianten auch innerhalb einer einzigen romanischen Sprache beweist.4 Zur Etymologie des Ursprungsworts diarréa verzeichnet Ottorino Pianigianis Vocabolario etimologico della lingua italiana folgenden Eintrag:

diarrèa = lat. DIARRHŒA del gr. DÍÁRROIA, comp. della partic. DIÀ indicante movimento a traverso e RÈÔ scorro (v. RIVO) = Flusso di ventre, evacuazione frequente e copiosa di materie fecali liquide, mucose e sierose: sintomo di qualche malattia intestinale.5

Der Artikel im Dictionnaire historique de la langue française informiert wie folgt:

DIARHÉE n.f., réfection savante (1568) de la forme altérée diarrie (1372), est emprunté au bas latin diarrhaea „flux du ventre“. Ce mot est emprunté au grec diarroia, lui-même dérivé, par l’intermédiare d’une forme diarrhoos, du verbe diarrein „couler de côté et d’autre“, „se repandre“, „couler à travers, suinter“, de dia- […] et rhein „s’ecouler“ […], mot appartenant à une importante famille indoeuropéenne. – Le mot, signifiant „flux du ventre“, est d’usage médical et courant (alors concurrencé par colique). […]6

Beide Artikel verweisen demnach für den medizinischen Terminus auf die enthaltenen bedeutungstragenden Elemente des Fließens oder des Laufens von etwas. Die Karte 677 des AIS führt die von diarrea abgeleiteten Bezeichnungen in ihren lautlichen Varianten nur in Oberitalien auf. Die südliche Grenze entspricht in etwa der Linie La Spezia–Rimini, die damit eine lexikalische Grenze zwischen Ober- und Mittel-/Süditalien darstellt, nicht hingegen die Grenze zwischen West- und Ostromania belegt, da auch das Rumänische die Bezeichnung diarree kennt. Vielmehr scheint es sich hier um eine diaphasische Grenze zu handeln, die einen Unterschied im Verhalten der Einwohner und damit einen Unterschied zwischen Norden und Süden markiert. Die Karte 163 des ALI bestätigt weitestgehend die geographische Beschränkung der medizinischen Bezeichnung auf den nördlichen Bereich, verzeichnet aber darüber hinaus eine Vielzahl von weiteren dialektalen Bezeichnungen, die das Kartenbild des AIS 677 weiter ausdifferenzieren und mit den Lemmata dissenteria con sangue und ‚sono stitico‘ ergänzen.

2.2 Die Bezeichnungen im Klassischen Latein

In den deutsch-lateinischen Wörterbüchern,7 die das Vokabular des klassischen Lateins wiedergeben, lassen sich folgende Bezeichnungen für die Krankheit ‚Durchfall‘ finden:

  1. alvi profusio
  2. alvi deiectio
  3. alvi / ventris + profluvium
  4. alvi / ventris + resolutio
  5. alvus soluta

Es handelt sich bei diesen Bezeichnungen um Umschreibungen, die in ihrer Semantik dem oben genannten gr. DÍÁRROIA ähneln. Die Wortverbindungen (a) bis (d) setzen sich, syntagmatisch betrachtet, aus dem Genitiv von alvus bzw. von venter ‚Bauch‘, ‚Unterleib‘ und einem Wort im Nominativ zusammen. Die Verbindung bei (e) bildet formal eine Ausnahme, da sie den Nominativ von alvus plus Partizip Perfekt Passiv in adjektivischer Funktion zusammensetzt.

Paradigmatisch betrachtet ergibt sich ein semantischer Unterschied, der jeweils das zweite Element der Wortverbindung betrifft: Semantisch eng miteinander verbunden sind die Ausdrücke (a), (b) und (c), da sie alle vordergründig das ‚Fließen‘ des Stuhlgangs aus dem Bauch als Symptom der Krankheit beinhalten. So bedeutet profusio, -onis, f. ‚Ergießung‘; profluvium, -i, n. ‚das Hervorfließen‘; deiectio, -onis, f. steht vermutlich in Zusammenhang mit deicere ‚abwerfen‘, ‚herabwerfen‘ und drückt damit ebenfalls das Herausfließen aus, ein Bild, das auch der griechischen Bezeichnung ‚ῥεῦμα‘ zugrunde liegt. Bei den Ausdrücken (d) und (e) steht ein anderes Symptom im Vordergrund, nämlich das des flüssigen Zustands der Exkremente. Beide Wörter, resolutio und soluta, basieren auf lat. SOLVERE ‚lösen‘, ‚schmelzen‘.8 Im Folgenden muss das erste Element der Wortverbindung weggefallen sein, so dass sich das zweite Element selbständig als Bezeichnung für die Krankheit durchgesetzt hat.9 In den romanischen Sprachen hat aber nur die Bezeichnung soluta Fortsetzung gefunden. So findet man heute noch vereinzelt das daraus entstandene it. sciolta10 oder šollimenti (Vicchio (FI)) sowie eine von dem Partizip abgeleitete Form pg. soltura.

Eine andere lateinische Bezeichnung ist FORIA, die Varro bereits mit der Bedeutung ‚Durchfall (des Viehs)‘ (!) verwendete und die teilweise heute noch im Französischen besteht. Im 4. Jahrhundert tritt sie in der Bedeutung ‚fast flüssige Exkremente‘ auf. Aus lat. FORIA hat sich das heutige undurchsichtige französische Wort foire, den Lautregeln entsprechend, als Erbwort herausgebildet (in der Bedeutung ‚Durchfall‘ belegt für das 13. Jahrhundert).11 Andere Fortsetzungen finden sich vereinzelt im engad. sfuira, cacafoiria12, rum. cufureală13 sowie im Portugiesischen foira14 in Seille. Die Karte 588 ‚avoir la foire‘ des ALF zeigt ein fast flächendeckendes zusammenhängendes Gebilde der lautlichen Varianten von foire, so dass der Eindruck entsteht, das Wort sei die dominierende Bezeichnung. Hält man nun die Karten ALLY III, 992 und ALMC III, 1310 dagegen, entsteht ein weit realistischeres Bild: An den gleichen Aufnahmepunkten verzeichnen die Regionalatlanten andere bzw. zusätzliche Lexeme. So taucht im ALLY auch die Bezeichnung la chiasse des Öfteren auf, die der ALF für die entsprechende Region auslässt. Das Verbreitungsgebiet für diese Bezeichnung muss deshalb als sehr viel ausgedehnter angenommen werden, zumal sogar der ALF sie verstreut in ganz Frankreich zeigt. Die Regionalatlanten sind darum als notwendige und sinnvolle Ergänzung zu sehen. Es darf allerdings nicht vergessen werden, dass der ALF für ein größeres Gesamtbild wichtig ist, sobald sich eine Bezeichnung durch seine Frequenz für einen Großraum als charakteristisch erweist.15

Erwähnt sei an dieser Stelle außerdem eine metaphorische, ab und zu genannte Verwendung der Bezeichnungen für das Gefühl der Angst, da starke Angstgefühle häufig Auslöser für den Durchfall sind.16 Das französische Wort foire wird darüber hinaus vom PR als ‚vieux‘ kategorisiert, wobei dieses Wort vermutlich wegen seiner Undurchsichtigkeit und dem Wunsch des Sprechers nach bildlichen Ausdrücken weichen musste und in der Hauptsache durch Ableitungen des lateinischen Etymons CACARE verdrängt wurde.17

2.3 Die romanischen Bezeichnungen

2.3.1 Ableitungen, die auf Etyma mit der Bedeutung ‚kacken‘, ‚scheißen‘: CACARE und SKITAN zurückgehen

Das FEW gibt an, dass es sich beim lateinischen Wort CACARE ursprünglich um eine lautmalende Bildung handelte, die außer in vielen indogermanischen Sprachen auch in der ganzen Romania weiterlebt. Das Französische kennt zwei Formen von CACARE: a) chier und b) caquer. Die erste Form, so das FEW, werde als unflätig empfunden, die andere gelte als kindersprachlicher Ausdruck. Daneben existiere noch die südfranzösische Form kaga anstelle von chier, die viel weiter nach Norden reiche, als der lautliche Charakter der Mundarten es zuließe. Dies deutet darauf hin, dass die Formen aus dem Süden übernommen wurden. Als Grund gibt das FEW an, dass die übernommene Form dazu dienen konnte, die einheimische, brutal empfundene Form zu vermeiden. Ein weiterer Vorteil ist ihr reduplizierender Charakter, durch den sie ausdrucksvoller wird. Tatsächlich finden sich zwei Typen zur Bezeichnung des Durchfalles: a) die Ableitungen von chier > la chiasse ‚excréments de mouche‘ im Mittel- und Neufranzösischen seit 1578, seit 1611 auch in der Bedeutung ‚Schlacke‘. Die äußerlichen Gemeinsamkeiten sowie im ersten Fall die inhaltliche Seite ‚Exkremente‘ dürften den Ausschlag gegeben haben für die Bedeutungsöffnung, so dass in Bordeaux, in Teilen der Bretagne (ALF) und in der Region Lyons la chiasse zur Bezeichnung der Krankheit wurde. Ebenso von fr. chier leiten sich lütt. mole tcheye und Poit. chiot als Bezeichnungen ab. Die Form b) caquer bildet mit ihren Ableitungen Agen, Bagnères caguero, pr. cagarello, Lyon caquerelle u.a. den zweiten französischen Typ. Die beiden letzten Formen erinnern an die im Italienischen vorherrschenden Bezeichnungen vom Typ cacarella (AIS 677).

Oberitalien ist übersät von dem Typ cagarella, der die intervokalische Sonorisierung der Westromania18 verkörpert, so dass südlich der Isoglosse La Spezia–Rimini der Typ cacarella überwiegt, der in seiner phonetischen Varianz in Kalabrien und auf Sizilien die Form cacaredda annimmt. Auch die gorgia toscana zeigt sich in der Variante c(h)ac(h)iola (volg.).19 Damit wird die sprachliche Dreiteilung Italiens in ober-, mittel- und süditalienische Dialekte bei herausragender Stellung des Toskanischen sehr deutlich. Herausragend ist aber auch die Stellung des Friaulischen: ASLEF III, 1643 verzeichnet cagot/scagot, scagaron und im friaulischen Wörterbuch von G. Faggin finden wir chiarole. Den ersten phonetisch ähnlich sind ven. und pr. cagoto.

Die Karte des AIS 677 liefert für den Westen Oberitaliens den Typ cageta, der dann laut ALF 588 die südfrz. Entsprechung caganeau bekommt und dem die gaskognische Bezeichnung caguero20 entgegensteht. Man vergleiche ferner den in Nizza geläufigen Ausdruck cagueta. Das Katalanische führt die Reihe mit einer Menge verschiedener Ableitungen als Bezeichnung fort, u.a.: cagarines, caguetes, cagareles, cagatxoles, cagueroles.

Darüber hinaus existieren in Navarra cacaria, and. cagete, kast. cagalera und cagaleta. Für das Portugiesische ließ sich nur caganeira finden, es ist allerdings unklar, ob es nicht ein brasilianisches Wort ist. Ein Vergleich der verschiedenen Bezeichnungen bezeugt die Nähe des Katalanischen zum Galloromanischen, die schon Rohlfs betont hat.21

Kast. cagalera Kat. cagueroles Gask. caguero
cagaleta cagueta Nizza cagueta
cagarella pr. cagarello

Auffällig ist vor allem die große Anzahl spanischer Ableitungen unter Verwendung verschiedener Suffixe.22 Im Rumänischen dagegen findet sich nur rum. cacaina. Allen Bezeichnungen liegt das lateinische Verbum CACARE zugrunde, das mit Hilfe verschiedener romanischer Suffixe, teilweise auch mit Präfixen, substantiviert wurde, innerhalb der verschiedenen Dialekte und Regionalsprachen existieren zahlreiche Ableitungen von CACARE mit unterschiedlichen, ähnlichen Bedeutungen nebeneinander. Die verschiedenen Suffixe sind folglich notwendig, um eine semantische Differenzierung zu ermöglichen.23

Das fränkische Etymon SKITAN ist gleichbedeutend mit dem Etymon CACARE, so dass auch SKITAN vereinzelt Anlass zu Ableitungen bot. Das FEW geht von einem lautmalenden Stamm SKITS aus, der das Geräusch des Herausspritzens einer Flüssigkeit unter Druck nachahme. Die ursprüngliche Bedeutung beschreibt ein Symptom des Durchfalls, so dass im Anschluss an zahlreiche Verben wie z.B. skitar ‚dünn scheißen (von Hühnern)‘ die Ableitungen trient. zgitarela ‚Durchfall‘, abruzz. šite ‚Diarrhö‘24 sowie im luxemburgischen Raum (ALF 588) la chite entstanden sind. Diez bemerkt außerdem, dass das deutsche Wort auch auf die Gestalt des fr. chier eingewirkt haben muß, da es rein aus dem Lateinischen entstanden unzweifelhaft chayer in Analogie zu payer < PACARE gelautet hätte.25

2.3.2 Ableitungen, die auf Etyma mit der Bedeutung ‚Mist‘, ‚Kot‘: DRITS, FIMITA zurückgehen

Wie bei den vorhergehenden Ableitungen wird von der Bedeutung ‚Kot‘, ‚Mist‘ ausgegangen, um eine Bezeichnung für den Durchfall zu finden. Das heißt, dass auch hier wieder ein Element, das wohl auffälligste der Krankheit, als Bezeichnung übernommen wird. Von DRITS abgeleitet ist fr. la drisse, beschränkt auf das Gebiet Pas-de-Calais.26 Ebenfalls davon abgeleitet wurde Boul. drisser ‚avoir la diarrhée‘, das wie viele andere Bezeichnungen auch übertragen im Sinne von ‚avoir peur‘ – ‚Angst haben‘ gebraucht werden kann. Laut FEW stellt DRITS ein mittelniederländisches Wort dar, das durch eine Wortkreuzung mit pik. drouille ‚foire‘ im Pas-de-Calais zu drousse geführt habe und vermischt mit ndl. DRINGEN ‚drängen‘, ‚drücken‘27 pik. drinse ergeben habe. Das Etymon (ndl.) DRINGEN sei allein verantwortlich für pik. dringue ‚diarrhee‘, für drinque ‚diarrhee‘ in der Ortschaft Démuin. Aus dem Pikardischen ist dieses Wort ebenfalls in die Pariser Volkssprache eingedrungen, daher Paris dringue ‚diarrhee‘. Aber auch in anderen Provinzen hat ndl. DRINGEN mit Einwirkung von ndl. DRILLEN > fr. driller ‚rasch laufen‘ zu ang. drigue ‚diarhee‘ geführt, wozu driguer ‚agir ou marcher vite‘ existiert. Allein auf der Basis von fr. driller ist dann drille ‚Durchfall‘ abgeleitet.

Auf dem Ausgangswort FIMITA ‚Mist‘ beruht nach REW 3309 nprv. frendo ‚Diarrhö‘, dessen lautliche Entwicklung jedoch nicht geklärt ist, semantisch dagegen den gleichen Prozess erlebt hat wie DRITS. Rum. urdinat ‚Durchfall‘ behandle ich in diesem Kapitel, weil es meiner Meinung nach von lat. HORRIDUS ‚entsetzlich‘ abstammt, das zu afr. ord, orde ‚abscheulich‘ (12. Jahrhundert) wurde, begleitet von ordures ‚Kot‘, ‚Schmutz‘.28 Da die bisherigen Bezeichnungen alle von dieser Bedeutung ausgehen, erscheint es mir logischer, dem Rumänischen ein ähnliches Grundwort zuzuschreiben, aus dem rum. urdinat abgeleitet wurde, als es auf lat. ORDINARE zurückzuführen, wie Puşcariu es in seinem etymologischen Wörterbuch getan hat. Seine Theorie geht aus von der lateinischen Bedeutung ‚ordnen‘, die sich zu ‚befehlen‘, ‚Befehle aneinanderreihen‘, ‚folgen‘, ‚fließen‘ bzw. ‚häufig gehen (auf die Seite)‘ zu ‚Durchfall haben‘ erweitert.29 Dagegen sprechen mehrere Gründe:

  1. Der Bedeutungswandel erscheint ziemlich weit hergeholt: Der Wandel von ‚folgen‘ zu ‚fließen‘ ist nicht einleuchtend.
  2. Das Symptom des ‚häufig auf die Seite Gehens‘ (im Sinne von ‚häufig auf die Toilette gehen‘) ist nirgends semantische Grundlage der Bezeichnung.
  3. Keiner anderen Bezeichnung für den Durchfall liegt die Bedeutung ‚ordnen‘ zugrunde.
  4. Wie bei dem Etymon CACARE, zu dem eine Ableitung caccita ‚Augenbutter‘ existiert,30 ist eine Ableitung urdoare ‚Augenbutter‘ vorhanden, die Puşcariu 1828 noch dazu selbst auf HORR(I)DOR, -OREM (von lat. HORRIDUS) zurückführt und dessen ursprünglichen Sinn er sogar mit ‚Schmutz‘ wiedergibt.

2.3.3 Bezeichnungen, die auf Etyma mit der Bedeutung ‚fließen‘, ‚laufen‘ u.ä.: DRILLEN, CURRERE (EX-) und FLUXUS zurückgehen

Die Ableitung fr. drille ‚Durchfall‘ von ndl. DRILLEN ‚rasch laufen‘ habe ich bereits kurz abgehandelt. Das Bild ‚laufen‘, ‚fließen‘ (der flüssigen Exkremente) ist oft semantische Grundlage, so also auch für die veraltete Ableitung fr. courante (vom DDM für das 14. Jh. belegt), ähnlich auch le cours du ventre, Spano31 zufolge im Dialetto comune it. soccorrenza und schließlich im ALI 163, 757 in Usèllus (CA) as kurrènz, rum. cursura, das laut NALR BANAT (1980) noch geläufig scheint und das somit den konservativen Charakter der rumänischen Sprache belegt, interessant ist der Unterschied in der Wortbildung: Einmal wird das Partizip Präsens courant als Ausgangspunkt gewählt, das die gegenwärtige, länger anhaltende Bewegung, nämlich das Laufende der flüssigen Exkremente betont. Im anderen Fall wird das Substantiv le cours ‚der Lauf‘ und damit ‚das Fließen der Exkremente‘ als Bezeichnung bevorzugt.

Abgeleitet von EXCURRERE erscheint dann im Sardischen, log. iskussura, iskussina und it. scorrenza, wobei hier das Präfix EX- stärker die Bewegung aus dem Körper heraus verdeutlicht, wie es bereits für das EX- in EXSOLVERE gegolten hat. Pittau bestätigt für das Sardische iskussina, iscussura (!), nennt aber auch terchinzu, tirchinzu, trichinonzu (!) in der spezielleren Bedeutung der Durchfallerkrankung von Tieren.32

Lat. FLUXUS ‚Fließen‘ hat sich als Erbwort in der Romania nirgends erhalten, sondern wurde erst später als medizinische Bezeichnung für den Durchfall entlehnt und stellt damit eine Parallele zum genannten griechischen Ausdruck in der Bedeutung ‚Fließen‘ dar.33 Die Ableitungen von FLUXUS bezeichneten wohl zunächst nur die speziellere Art des Durchfalls, die Ruhr (!): afr. flux dou ventre ‚dysenterie‘ (seit Ende des 13. Jh.), flus de ventre (14. Jh.), mfr./nfr. flux de ventre, npr. flus de ventre. Es fand vom Französischen aus dann Eingang in die romanischen Sprachen: it. flusso, kat. fluix, sp. flujo, pg. fluxo. Die allgemeinere Bedeutung von FLUXUS, ‚das Fließen‘, wurde erst in späterer Zeit wieder eingeführt und auch erst dann wieder in andere Kontexte gestellt. Speziell die Krankheit der Ruhr bezeichnet außerdem (!) nfr. flux de sang, das in einigen Orten volksetymologisch durch die lautliche Nähe zu fruit oder sogar fleur umgebildet wurde, z.B. (!) fruit-de-san und sav. (!) flor de sang.

Vor allem die erstgenannten Formen erinnern an das klassisch-lat. ventris profluvio, dem sie semantisch und formell entsprechen, von denen sie jedoch keine lautliche Fortsetzung darstellen. Geläufig scheint diese Form allerdings im 20. Jahrhundert nur noch in den Sprachen sp. flujo de vientre und pg. fluxo de vientre zu sein.

Ähnlich konstruiert ist der Typus ‚krank‘ + Präposition + Substantiv, bzw. ‚krank‘ + Genitivobjekt, der gelegentlich in den Atlanten als Bezeichnung für den Durchfall auftaucht. So z.B.: fr.mal au ventre, it. mal di cuerp/corpo, friaul. mossa di cuarp, Vicenza la mòsa, rum. bolnav de inima. Diese Namen bedeuten eigentlich das allgemeinere ‚Bauchweh‘, das auch Symptom für andere Krankheiten ist. Man könnte nun vermuten, dass diese Bezeichnungen versehentlich in die Atlanten mit aufgenommen worden sind und nur die Unsicherheit der Befragten demonstrieren, die auf den allgemeineren Begriff ‚Bauchweh‘ ausweichen, sei es aus mangelnder Kenntnis der Bezeichnung,34 sei es aufgrund von missverständlichen Questionnaires, in einigen Fällen dürften diese Vermutungen zutreffen, da z.B. der ALMC eine Extrakarte mal au ventre (ALMC, III, 130) aufführt. Das friaulische Wörterbuch von G. Faggin verzeichnet in dem Artikel mit dem Lemma ‚Durchfall‘ auch mossa di cuarp; der ASLEF enthält diese Bezeichnung besonders häufig. Damit ist es zumindest für das Friaulische sehr wahrscheinlich, dass es sich um einen feststehenden Ausdruck zur Bezeichnung des Durchfalls handelt. Das Wort ‚mossa‘ fokussiert überdies in Bezug auf den Gegenstand, ähnlich wie die Ableitungen von DRILLEN und CURRERE, den Moment der sichtbaren Bewegung beim Herausfließen.

Es existieren zahlreiche andere Bezeichnungen, die im Rahmen dieser Arbeit nicht alle behandelt werden können, von denen aber ein größtmöglicher Teil in einer Tabelle im Anhang aufgeführt werden. Es sei hier noch kurz darauf hingewiesen, dass das Kastilische vor allen anderen die Bezeichnungen destêmpero und dessarranjo verwendet; die französische Entsprechung lautet dérangement. Diese Wörter bedeuten eigentlich in einem allgemeineren Sinn ‚Störung‘, in diesem Fall folglich ‚Störung der Verdauung‘. Das französische Wort gilt allgemein als veraltet, während das Kastilische an dieser Bezeichnung festhält und damit einen konservativeren Charakter besitzt. Es könnte sich bei dieser Bezeichnung möglicherweise aber auch um eine diastratische Variante handeln, die von Sprechern als die galantere Variante zur Bezeichnung der Krankheit empfunden wird und durchsichtigere und möglicherweise als vulgär angesehene Bezeichnungen vermeiden hilft, indem sie bildliche Bezüge zum unangenehmen Gegenstand ausblendet.

2.4 Die Rolle der wortbildenden Elemente

Wie bereits in Kapitel II besprochen, zeichnet sich besonders das Iberoromanische durch seinen Wortbildungsreichtum aus, in allen romanischen Sprachen handelt es sich bei den Bezeichnungen für Durchfall in erster Linie um Suffigierungen. Betrachtet man die Suffixe genauer, stellt sich heraus, dass alle romanischen Sprachen Diminutivsuffixe bevorzugen, um den Substantiven, die den Durchfall bezeichnen, Gestalt zu geben. Die Diminutivsuffixe können bezogen auf unseren Gegenstand folgende Punkte erfüllen:

  • Sie sind Ausdruck der Verkleinerung, beziehen sich infolgedessen auf die ‚kleinen‘, will sagen, flüssigen Exkremente.
  • Sie sind Ausdruck der Zugehörigkeit zum Lexem, in diesem Fall zu caca ‚Exkrement‘, oder verbunden mit affektiven Konnotationen zum Kinderwort oder einfach neutral zu caca- von CACARE.
  • Sie sind Ausdruck des affektiven Charakters, was hier soviel bedeutet wie ‚Beteiligung des Gefühls‘ und darüber das Leiden der erkrankten Person einbeziehen, aber auch die Scham oder eine amüsierte Haltung der Sache gegenüber zum Ausdruck bringen kann. Mit der Sache verbunden ist häufig ein negatives Werturteil, das durch das Präfix s- bekräftigt werden kann.

Die romanischen Sprachen kennen die Suffigierung aus dem Lateinischen, besitzen aber eine größere Vielfalt von Möglichkeiten zur Wortbildung,35 was besonders an den Derivaten von CACARE deutlich wurde. Um diese Vielfalt einerseits in Form und Funktion, andererseits hinsichtlich der Kombinationsmöglichkeiten deutlich zu machen, werden hier die wesentlichen lateinischen Suffixe mit ihrer Entsprechung in den romanischen Sprachen und mit ihrer Funktion noch einmal gesondert aufgeführt:

-ELLUS, -ELLA: Dies ist wohl das am häufigsten verwendete Suffix, dass in folgenden Bezeichnungen enthalten ist: it. cacarella, südit. cacaredda, kat. cagareles, die eine erweiterte Form mit dem Infix -r- enthalten, wie auch fr. cagereau, dessen Suffix im Gegensatz zu denen der oben genannten Formen in der Bedeutung der Verkleinerung nicht mehr durchsichtig ist,36 dennoch schon mit seinem Klang die Vorstellung vom Herausfließen begünstigen kann.

-OLLUS, -OLLA: In diese Reihe gehört auch kat. cagatxoles, cagueroles. Das Suffix -oles wurde einmal mit -x-, das andere Mal mit -r- erweitert.

-ULUS, -ULA: Dieses lateinische Diminutivsuffix findet sich in rum. cursura und in pg. soltura, aber meist nur dann, wenn das zugehörige Verbum verloren oder der Zusammenhang verdunkelt ist.37

-ARIUS + -ULUS: Diese Suffixakkumulation findet sich in tosk. cacaiola, wobei das erste Suffix als beliebt für toskanische Neubildungen gilt, dessen ursprünglicher diminutiver Sinn jedoch meist verloren gegangen ist, so dass ein zweites zur Wiederbelebung hinzutritt.38

-ARIUS, -ARIA: Dieses Suffix erscheint in sp. cagalera und pg. caganeira.39

Neben den Diminutivsuffixen werden auch Kollektiv- und andere Zugehörigkeitssuffixe verwendet, z.B.:

-ETUM, -ETA: Dieses Suffix diente im Lateinischen zur Bildung von Kollektiva. Bezogen auf die Krankheit vermag es wohl die Masse der Exkremente semantisch umzusetzen. Das Suffix ist beteiligt in oberit. cageta, and. cagete, wobei die lateinische Pluralendung das Kollektive noch verstärkt. Die kollektive Pluralendung steckt auch in den katalanischen Wörtern, z.B. cagareles.40

Neben der Suffigierung findet sich auch Präfigierung mit lat. EX-, die die Komponente ‚heraus‘ bei den Verben der Bewegung ‚laufen‘, ‚fließen‘ stärker verdeutlicht. Dieses Präfix kann aber auch zusätzlich eine pejorative Funktion übernehmen, wenn es die Herbeiführung eines ungeordneten Zustands meint.41 In ähnlicher Bedeutung werden ja auch die Bezeichnungen fr. dérangement, sp. desarranjo verwendet.

Außer den synthetischen Formen kennen die romanischen Sprachen aber auch die analytischen Formen, z.B. sp. flujo de vientre, friul. mal di cuerp, rum. bolnav de inima. Diese sind durch die Möglichkeit der Aufaddierung der einzelnen semantischen Elemente im Bewusstsein der Sprecher sicherlich weiterhin in stärkerem Maße bildlich vorhanden. Dennoch erfüllen bestimmt nicht mehr alle Suffixe ihre semantische Funktion, sondern stellen teilweise nur noch einen formalen Gegensatz zu anderen Derivaten des Ausgangswortes dar.

3 Fazit

Sicherlich kann eine solche großflächig angelegte Untersuchung in der Kürze eines Aufsatzes keine lückenlose Darstellung einer detaillierten geographischen Romania-Karte der diversen Bezeichnungen der Krankheit ‚Durchfall‘ bieten. Schon Dante Alighieri vermerkt in seiner Schrift De vulgari eloquentia:42

Quare adminus xiiii vulgaribus sola videtur Ytalia variari. Que adhuc omnia vulgaria in sese variantur, ut puta in Tuscia Senenses et Aretini, in Lombardia Ferrarenses et Placentini; nec non eadem civitate aliqualem variationem perpendimus, ut superius in capitulo immediato posuimus. Quapropter, si primas et secundarias et subsecundarias vulgaris Ytalie variationes calculare celimus, et in hoc minimo mundi angulo non solum ad millenam loquele variationem venire contigerit, sed etiam ad magis ultra.

[Insomma, la sola Italia sembra diversificarsi in almeno 14 volgari. Poi, tutti questi volgari si differenziano al loro interno, come, in Toscana, il senese dall’aretino e, in Lombardia, il ferrarese dal piacentino; e persino nella stessa città osserviamo qualche variazione, come abbiamo mostrato nel capitolo precedente. Per cui se volessimo calcolare tutte le varianti dei volgari italiani, le principali, le secondarie, le minori, anche solo in questo piccolissimo angolo di mondo finiremmo per contare un migliaio di varietà linguistiche, anzi, persino di più.]

Es ist daher grundsätzlich festzuhalten, dass die Entwicklung der Sprachatlanten hin zu regionalen und lokalen Atlanten eine notwendige Ergänzung für sprachgeographische Untersuchungen darstellen, die wiederum erst in der Zusammenschau mit den entsprechenden Wörterbüchern und mit den großflächigeren Sprachatlanten der ersten Generation – deren Wert unbestritten bleibt –, zu einem weitaus differenzierteren Bild von der realen Distribution der Bezeichnungen führen.

Wie wir gesehen haben, dienen viele volkstümlichen Bezeichnungen, sowohl in Bezug auf ihre Semantik als auch auf ihre wortbildenden Elemente, der Verbildlichung des Gegenstandes bzw. seiner einzelnen Aspekte und sind so einer Vorstellungsbildung zuträglich. Oft meinen die Bezeichnungen weniger den umfassenderen Begriff der Krankheit ‚Durchfall‘, sondern nehmen einzelne äußerliche, wahrnehmbare – sichtbare oder gefühlte – Symptome der Krankheit zum Ausgangspunkt für die Bezeichnung. Die körperliche bzw. sinnliche Erfahrung der Sprecher selbst scheint demnach eine große Rolle für die Wahl der Krankheitsbezeichnung zu spielen. Es überwiegen ganz eindeutig Ableitungen von Etyma mit der Grundbedeutung ‚Exkremente‘, ‚Kot‘, ‚Dreck‘, sowohl von der Zahl der Ableitungen her als auch hinsichtlich ihrer geographischen Ausdehnung. Die große Ausdehnung der vulgärsprachlichen, von CACARE abgeleiteten Ausdrücke scheinen in verstärkter Weise die Abneigung der Sprecher und damit deren im Wort enthaltene affektive Beteiligung gegenüber den Exkrementen und der Krankheit als solches zu bekräftigen. So können über die gewählten Bezeichnungen Ansichten über Dinge in einem einzigen Wort wirksam werden.

Das Italienische, Französische und Katalanische benennt den Durchfall überwiegend mit Ableitungen von CACARE. Die Schicht der Ableitungen von CACARE ist damit die jüngere, die die anderen Bezeichnungen weitgehend zurückdrängt. Grund ist sicherlich das im Bewusstsein des Sprechers gleichzeitig vorhandene Wort der Kindersprache CACA ‚Exkremente‘, so dass solcherlei Ableitungen im Gegensatz zu einigen anderen Bezeichnungen älteren Datums noch motiviert sind. Die häufige Verwendung oder auch der weitverbreitete kindersprachliche Ausdruck caca könnte überdies dazu geführt haben, den Ausdruck als nicht mehr so brutal zu empfinden, so dass er als umgangssprachlicher Ausdruck akzeptiert wird. Der GR beispielsweise stuft la chiasse als ‚terme familier‘ ein.

Daneben existieren viele jeweils auf kleinere, lokale Räume begrenzte Ableitungen volkstümlicher Art ausgehend von der Bedeutung ‚fließen‘, ‚laufen‘, die die bereits aus dem Griechischen und Lateinischen bekannten Ausgangsmerkmale als Grundlage für die Bezeichnung der Krankheit fortführen bzw. erneut aufgreifen. Die herangezogenen Quellen zeigen nur vereinzelt weitere – im Anhang des Artikels ebenfalls aufgeführte – Bezeichnungen, die für uns an dieser Stelle undurchsichtig bleiben, die entweder auf andere Etyma zurückgehen, auf Lehnwörtern beruhen oder auch ganz anderen Wortschöpfungsprozessen entstammen, die weiter zu untersuchen wären.

Ganz klar herauskristallisiert hat sich auf der Ebene des Wortschatzes eine Innerromania mit den Sprachen Italienisch, Französisch und teilweise Katalanisch gegenüber einer äußeren Romania mit dem Iberoromanischen und dem Rumänischen, die sich durch eine stärkere Konservativität auszeichnet. So herrschen im Iberoromanischen sehr viel ältere Formen vor. Im Portugiesischen gilt immer noch eine Form von SOLVERE, nämlich soltura, als geläufig, das Spanische zeigt immer noch Formen wie desarranjo und flujo de vientre, im Rumänischen dominiert noch eine Ableitung von FOIRA – neben Ableitungen von anderen Lexemen, die die übrigen romanischen Sprachen nicht kennen, was durch die isolierte Lage des Rumänischen begründet ist.

Betonen möchte ich hier noch einmal die auch an diesem Beispiel deutlich sichtbar gewordene Nähe des Katalanischen zum Galloromanischen, die außergewöhnliche Randstellung des Rumänischen innerhalb der Romania, das durch einen slawischen Einfluss gekennzeichnet ist – das Suffix -eală stammt von slaw. -ely43 –, den Wortbildungsreichtum des Spanischen und letztendlich die Bedeutung der Sprachgrenze La Spezia–Rimini für die sprachliche Struktur Italiens.44 Präzisere Wortgrenzen lassen sich nicht aufstellen, weil die Bezeichnungen zu sehr im Raum verteilt erscheinen und die Übergänge fließend sind.45 Darüber hinaus ist zu bedenken, dass die Bezeichnungen in den verschiedenen Wörterbüchern und Atlanten je nach Sprachraum, Sprecher, Aufnahmedatum und -situation variieren können. Dies erschwert die Untersuchung und lässt ein Aufstellen von detaillierteren Grenzen nicht zu, denn schließlich handelt es sich bei der Herausbildung von Bezeichnungen um einen fortdauernden, dynamischen Prozess. Es wären zudem im Sinne einer ‚Pluridimensionalen Dialektologie‘46 Kategorien wie Geschlecht und Alter der Sprecher zu berücksichtigen, da sie ebenfalls Einfluss auf die Wort- und Registerwahl ausüben können, wenn man zu weiteren konkreteren Ergebnissen bezüglich der Motivation für die Auswahl einer bestimmten Bezeichnung gelangen möchte, wie am Beispiel der Bezeichnung fr. dérangement deutlich wurde.

Unerwähnt bleiben in den genannten Quellen – nicht zuletzt aufgrund defizitärer und unheitlicher Fragebögen – solche umschreibenden Bezeichnungen, die die besondere Form der Reisediarrhoe benennen, wie zum Beispiel die deutsche Bezeichnung ‚Montezumas Rache‘. Ein Blick ins Internet erweist sich als hilfreich und mag an dieser Stelle genügen, um auch in Bezug auf diese Sonderform der Krankheit die Vielfalt der Bezeichnungen aufzuzeigen. Darin finden wir für ‚la diarrea del viaggiatore‘ die Bezeichnungen la vendetta bzw. la maledizione di Montezuma o di Tutankamon47, span. venganza de Moctezuma,48 rum. razbunarea [sic: eigentlich mit Akzent: răzbunarea] lui Montezuma, burta Delhi, diaree de Turcia.49 Der Wikipédia-Artikel ‚Diarrhée du voyageur‘ vermerkt:

Selon les pays, la diarrhée du voyageur porte différents noms […]: Tourista ou turista – flux coelique – gastro-entérale emporiatrique – Aden gut – Bali belly – Barsa belly – boyaux d’Aden – Casablanca crud – complainte de l’été – course de Rangoon – course de Rome – course de Tokyo – course du touriste – course de Turquie – course du voyageur – danse aztèque – Dehli belly – ventre de Dehli – djerblenne ou djerbienne – gallop grec – Gl’s – Gyppy tummy – kaboulite – maladie de la mer Rouge – maladie des Canaries – passion – Poonah pooh – revanche de Montezuma – San-Francisquite – squitter – TG tract – toilette de Hong-Kong – Hong-Kong dog – toilette de Malte – Troskyste – Turkey trot – ventre de Bassa – ventre égyptien – Zermatite.50

Diese Bezeichnungen wären im Einzelnen unter Angabe verlässlicher Quellen zu überprüfen und durch Angaben zu Sprechern sowie Zeit- und Ortsangaben zu ergänzen.51 Sie können einen Ausgangspunkt für weitere geolinguistische Studien bilden. Deutlich zeigt sich hier die Zunahme des Einflusses der englischen Sprache. Die Bezeichnungen, die verschiedene Orte aufgreifen, die möglicherweise für den jeweiligen Sprecher auf die angenommene Herkunft der Krankheit verweisen, spiegeln den anhaltenden Trend stetig steigender Reisetätigkeit und die damit einhergehende Globalisierung.

Die Bezeichnungen verdeutlichen die Tendenz der (vermutlich vorwiegend jugendlichen) Sprecher, die unangenehme, oft mit Scham verbundene Krankheitserfahrung durch eher amüsante Ausdrücke zu belegen, ist sie doch im Nachhinein betrachtet zumindest heutzutage eine vorübergehende, zu unschönen, aber auch ulkigen Situationen führende Krankheit. Bezeichnungen mit dem Namen Montezuma beinhalten kulturhistorische Aspekte und verweisen sogar auf eine ganze Erzählung aus der Geschichte von der Eroberung Mexikos, derzufolge Montezuma über die Eindringlinge in sein Land einen Fluch verhängt haben soll, mit dem sich die Krankheit – über einen Aberglauben – erklären ließe, in dieser Hinsicht wäre auch die Bezeichnung danse aztèque zu verstehen. Vielleicht sollen Namen wie course de Rangoon die ferne Herkunft oder zumindest in früheren Zeiten möglicherweise auch das für den Kranken Rätselhafte der Krankheit betonen. Je nach Kontext könnte die Bezeichnung eine Selbstinszenierung des Sprechers beinhalten, der mit seiner Reise in ferne oder prestigeträchtige Länder prahlen möchte.

Im Großen und Ganzen aber scheinen die meisten dieser Bezeichnungen im Gegensatz zu vielen vorhergenannten einem Wunsch der Sprecher oder Sprecherinnen entgegenzukommen, den unangenehmen Gegenstand auszublenden. Auch in diesen Fällen könnte die Wahl der Bezeichnung in Beziehung zur sozialen Herkunft des Sprechers stehen, in den Zusammensetzungen mit den Elementen flux, course und ventre werden Bezüge zu den anderen obengenannten Bezeichnungen deutlich. Die Bezeichnungen toilette de Hong-Kong oder toilette de Malte lassen das (vermeintliche) Wissen der Sprecher über mögliche Übertragungsorte durchblicken. Für eine präzisere Auswertung dieser Bezeichnungen wäre jedoch eine weitere Studie erforderlich.

Insgesamt gibt unsere Analyse Aufschluss darüber, wie Sprache funktioniert und zeigt anhand des besonderen Gegenstandes in anschaulicher Weise die wechselseitige Durchdringung von Leben und Sprache in ihren vielen Facetten. Die Mannigfaltigkeit der Bezeichnungen deutet über das oben Gesagte hinaus vor allem auf eine anthropologische Konstante hin, nämlich auf eine unerschöpfliche, spielerische Kreativität der Menschen, die sich in der Sprache die Welt anzueignen und ihre jeweiligen Deutungen von Welt zum Ausdruck zu bringen suchen.52

Anmerkungen

1 Zum Terminus der Sprachgeographie siehe Eugenio Coseriu (1975). Eine Definition der Sprachgeographie sowie Angaben zur Geschichte und zu Methoden von wichtigen Sprachatlanten finden sich zusammengefasst in Horst Geckeler/Dieter Kattenbusch (1992: 41ff.) (Grundlage für das Universitätsstudium der Verfasserin) und Dieter Kattenbusch (1999: 110ff.). Seit ihren Anfängen hat sich die Sprachgeographie kontinuierlich weiterentwickelt. Im Zeitalter des Internets sind digitalisierte Atlanten, die die sprachlichen Varianten nicht nur in der Schriftsprache bzw. in der Lautschrift präsentieren, sondern auch phonetisch archivieren und für jedermann jederzeit abrufbar bereithalten, wie der ALD-I und der von Dieter Kattenbusch herausgegebene akustische Sprachatlas VIVALDI von großer Bedeutung, zuletzt vorgestellt in Roland Bauer (2010) und Dieter Kattenbusch/Fabio Tosques (2010); siehe auch Marcel Lucas Müller/Carola Köhler/Dieter Kattenbusch (2001: 55). Einen Überblick über Sprachatlanten, die sich den Gebieten der Romania widmen, kann man dem Artikel von Pierre Swiggers (2010) entnehmen. Er verweist auch auf den AliR = Atlas linguistique roman, von dem aber bislang nur die ersten beiden Bände erschienen sind; Swiggers (2010: 278). Kritische Überlegungen zur Methodik von Sprachatlanten mit Blick auf ihre Geschichte liefert auch Hans Goebl (2011).

2 Brockhaus Enzyklopädie (1988: 44).

3 FEW III: diarrhoea. EWFS: diarrhee 14. Jh., aus lat. diarrhoea ‚Durchfluss‘.

4 Vgl. z.B. fr. foire, chiasse, chite, drisse – sp. cagalera, flujo de vientre, seguidillas. Alle im Artikel aufgeführten Bezeichnungen für die Krankheit ‚Durchfall‘ und ihre Belege finden sich gesammelt im Anhang.

5 Ottorini Pianigiani (1907).

6 Alain Rey (sous la direction de) (2006).

7 Die entsprechenden Wörterbücher finden sich im Literaturverzeichnis.

8 Vgl. dazu mfr./nfr. solutif adj. ‚laxatif‘; siehe FEW XII: solvere, S. 84.

9 Der Langenscheidt Latein–Deutsch (1981) verzeichnet die genannten Wörter in der Bedeutung ‚Durchfall‘ und mit der Anmerkung ‚nachklassisch‘. Ausnahme bildet soluta, das das besagte Wörterbuch nicht als eigenständige Krankheitsbezeichnung aufführt.

10 Siehe hierzu Angelo Prati (1970): sciogliere.

11 FEW III: foria.

12 Interessant ist hier die Komposition von caca + fioria, die wohl eine Remotivierung des Inhalts durch das hinzugetretene erste Element darstellen soll. Formal analog gebildet ist cacasangue ‚dissenteria‘ (!), dazu mfr./nfr. caguesangue ‚dysenterie‘ seit dem 16. Jh. Laut Carlo Battisti/Giovanni Alessio (1950ff.) wurde CACARE zu besagter Zeit in das Französische aufgenommen.

13 Vgl. Alejandro Ciorănescu (1958): cufuri ‚Durchfall haben‘; Sextil Puşcariu (1975): 430, cúfur ‚Durchfall haben‘.

14 Vgl. auch DEEH: foria, S. 688.

15 Von großem Wert in dieser Hinsicht könnten auch die nächsten, noch nicht erschienenen Bände des Atlas linguistique roman (AliR) sein.

16 FEW III: foire I 2, S. 712 u. FEW II, 1: cacare 4, S. 18. Es existieren auch Ableitungen zur Bezeichnung für den Abort, FEW II, 1: cacare 5, S. 18.

17 Es bestehen weiterhin Ableitungen mit Bezug auf den Namen des Bingelkrautes, das früher in der Heilkunde als Abführmittel eine große Rolle spielte: FEW III: foire II, 1 u. FEW II, 1: cacare 3a.

18 Zur Aufteilung in West- und Ostromania und zur Gliederung der romanischen Sprachen siehe z.B. Kuhn (1951: 90ff.).

19 Battisti/Alessio (1950ff.) verzeichnen diese Form als vulgären Ausdruck und belegen sie für das 15. Jahrhundert. Darüber hinaus existieren zahlreiche weitere Ableitungen von CACARE zur Bezeichnung von diarrea, zu finden im LEI, Vol. IX (2006): cacare, S. 237ff., wie z.B. nap. cacavessa ‚diarrea‘ (caca vescia < caca vissium), belegt für das 17. und das 18. Jahrhundert; ebd., S. 246.

20 Gask. caguero wird ferner bestätigt in Alcee Durrieux (1901). Der ALD-I enthält eine allgemeinere Karte 85: cacare.

21 Gerhard Rohlfs (1971).

22 Kuhn (1951: 372) spricht von einer diesbezüglichen „Sonderstellung des Spanischen in der Wortbildung“.

23 Dass die verschiedenen Mundarten andere Suffixe bei gleichbleibendem Stamm kennen und sich eine bestimmte Form nicht durchsetzt, mag daran liegen, dass die gemeinsame Bezeichnung mit einer anderen Bezeichnung belegt ist, so dass eine breitere Ausdehnung verhindert wird; z. B. pr./ven. cagot ‚Durchfall‘, abearn. cagot ‚Aussätziger‘, nfr. cagot ‚Frömmler‘, FEW II, 1: cacare 8.

24 Der REW 3018 führt abruzz. šite gleichzeitig auf EXIRE zurück.

25 Friedrich Diez (1887: 574).

26 ALF 588; FEW III: drits, S. 160.

27 Vgl. überdies von lat. PREMERE ‚drücken‘ log. premidas ‚Durchfall‘ (AIS), nach Massimo Pittau (2003), S. 167, im Sardischen prémida, prémmida und das von skits abgeleitete esquissar ‚drücken‘ (FEW: skits). Die zugrundegelegte Ausgangsbedeutung steht nicht in direktem Zusammenhang mit der Krankheit, da die Krankheit selbst meist kein Drücken mehr erfordert. Es könnte dabei das Bild der Anstrengung des Kranken ganz allgemein eine Rolle gespielt haben.

28 EWFS: ord, orde, S. 660.

29 Vgl. REW 6090; Puşcariu 1826.

30 FEW II, 1: cacare u. caccita.

31 Giovanni Spano (1998 [1851]).

32 Pittau (2003: 167).

33 FEW III: fluxus, S. 645.

34 Vgl. Herrmann Urtel (1913: 85).

35 Harri Meier (1986: 118).

36 Gerhard Rohlfs (1949/54: 292f.).

37 Wilhelm Meyer-Lübke (1894: 492).

38 Rohlfs (1949/54: 294f.).

39 Meyer-Lübke (1894: 467).

40 Rohlfs (1949/1954: 341f.).

41 Rohlfs (ebd.: 238).

42 Dante Alighieri (2008: 28, it. Üb. 29).

43 Meyer-Lübke (1894: 492).

44 Zu einer weiter ausdifferenzierten Struktur der romanischen Sprachen siehe Swiggers (2010: 271ff.).

45 Zudem wäre dafür eine detailliertere, auf einen kleineren Raum beschränkte Analyse notwendig, wie sie Dieter Kattenbusch/Fabio Tosques/Andreas Rauher (2011) vornehmen.

46 Siehe dazu Harald Thun (2010: 507ff.) und Hans Goebl (2011).

47 Zum Beispiel: Viaggio assistito (http://www.viaggioassistito.com/2010/04/la-diarrea-del-viaggiatore-o-vendetta.html, 16.1.2012).
Farmacia di Muria: Diarrea del viaggiatore (http://www.farmaciadimuria.it/3livello_dettaglio_new.asp?id=2409, 16.1.2012).

48 Wikipedia: Diarrea del viajero (http://es.wikipedia.org/wiki/Diarrea_del_viajero, 16.1.2012).

49 Sfatulmedicului.ro: Diareea calatorului ( http://www.sfatulmedicului.ro/Tulburari-de-tranzit--diareea-si-constipat ia-/diareea-calatorului_555, 16.1.2012).

50 Wikipédia: Diarrhée du voyageur (http://fr.wikipedia.org/wiki/Diarrhée_du_voyageur, 16.1.2012).

51 Deshalb werden die Namen speziell zur Bezeichnung der Reisekrankheit nicht in die untenstehende Tabelle eingestellt.

52 Insofern ist natürlich auch die Sprachwissenschaft, wie alle Disziplinen der Geisteswissenschaft, den sogenannten Life Sciences zuzurechnen. Solche Überlegungen sind Gegenstand der Debatte über die ‚Lebenswissenschaften‘, wie sie u.a. von Ottmar Ette (2004) geführt werden. Vgl. hierzu auch Ottmar Ette (2011: 485–488).

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Alle im Text verwendeten Abkürzungen sind dem FEW und dem REW entnommen oder folgen den Vorgaben der jeweiligen konsultierten Quellen.

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Wikipédia: Diarrhée du voyageur, http://fr.wikipedia.org/wiki/Diarrhée_du_voyageur, 16.1.2012.

Anhang: Bezeichnungsliste

Terminus Quelle
alvi deiectio (lat.) Georges; Menge-Güthling: Durchfall
alvi profluvium (lat.) Georges; Menge-Güthling: Durchfall
alvi profusio (lat.) Lünemann: Durchfall
alvi resolutio (lat.) Georges: Durchfall
alvus soluta (lat.) Georges: Durchfall
attílimu Pittau: diarrea
ventris profluvium (lat.) Menge-Güthling: Durchfall
ventris resolutio (lat.) Lünemann: Durchfall
boala de inima NALR Oltenia I, 136
bolnav de inima NALR Oltenia I, 136
cacafoiria (Seille) FEW II, 1: cacare 3a, S. 18
cacaia (it.) LEI: cacare
cacaina NALR Banat I, 115
c(h)ac(h)aiola (tosk./volg.) AIS 677
cacaredda (südit.) AIS 677
cacarella, cagarella (it.) AIS 677, LEI: cacare
cacaredda Pittau: diarrea
cacarina Pittau: diarrea
cacaria ALEANR VIII, 1018
(!) cacasangue (it.) Battisti/Alessio: cacare
cacavessa (Nap.) LEI: cacare
cagagno (pr.) De Fourvières
cagaite (Frl./ volg.) Faggin: chiarole
cagalera (kast.) Moliner: diarreia
cagaleta (kast.) Moliner: diarreia
caganeau ALF 588
caganeira (pg./pop.) De Azevedo
cagaredda Pittau: diarrea
cagarele (frl.) Faggin: chiarole
cagareles (kat.) DCVB II
cagarelet (pr.) De Fourvières
cagarella (kat.) DCVB II
cagarello (pr.) De Fourvières
cagarie (pr.) De Fourvières
cagar(r)ines (kat.) DCVB II
cagatxoles (kat.) DCVB II
cageta/-e AIS 677
cagete ALEA V, 1309
cagero (gask.) Durrieux
cagot (pr./frl./volg.) De Fourvières; Faggin: chiarole
cagoto (pr.)
(ven.)
De Fouvières
FEW II, 1: cacare 3a
caguero (gask.) ALF 588; (Agen, Bagnères) FEW II, 1: cacare
cagueroles (Kat.) DCVB II
cagueta (and.)
(Nice)
FEW II, 1: cacare
FEW II, 1: cacare 3a
caguete(s) (Kat.) DCVB II
caiguere FEW II, 1: cacare 3a
camaras (pg.) De Azevedo
caquerelle (Lyon) FEW II, 1: cacare
(!) caquesangue (fr./vieux) Bertaud de Chazaud: diarrhée
chaja (engad.) Sonder/Grisch
chajaröla (engad.) Sonder/Grisch: chaja
chiarello (Mdauph.) FEW II, 1: cacare 3a
chiarole (frl.) Faggin
chiasse (fr.) GR (fam.): diarrhée; ALMC III, 1310 (terme grossier); FEW II, 1: cacare 3a; Bertaud de Chazaud (vulg.): diarrhée; ALF 588
chiot (Poit.) FEW II, 1 : cacare 3a
chite ALF 588
cliche (fr./ vulg.) Bertaud de Chazaud: diarrhée
(!) colique (fr.) GR: diarrhée
correncia (sp.) Moliner: diarreia
courante (fr.) GR: diarrhée; ALMC III, 1310 (fam.); DDM (14. Jh.); Bertaud de Chazaud (fam.): diarrhée
cours de ventre ALMC III, 1310
crussos Pittau: diarrea
cufureală (rum./ pop.) Seche: diaree; NALR Oltenia I, 136
currenta Pittau: diarrea
currentza Pittau: diarrea
cursos (sp.) Moliner: diarreia
cussu, cussos Pittau: diarrea
(!) debacle (fr.) GR: diarrhée
deiectio (lat.) Langenscheidt
(!) dekors (norm.) REW 2509
dérangement (fr.) DFC: déranger
deranjament (rum./fam.) Seche: diaree
desarranjo (sp./pg.) Nascentes: diarreia
descomposición ALEANR VIII, 1018; Moliner: diarreia
destemperamento de barriga (pg.) De Azevedo
destempero (pg.) Nascentes: diarreia
devoiement (vieux) GR: diarrhée
diškorènze ALI 163, 338 Flumignano, Talmassons (UD)
(!) dissenteria (it.) Gabrielli: diarrea
drigue (ang.) FEW III: dringen
drille/ driy (Cher/ Allier...) FEW III: drillen; REW 2771a
drinche (yer.) FEW III, drits
dringue (Paris) FEW III: dringen
drinque (Dem.) FEW III: dringen
drinse (pik. Dem.) FEW III: drits
drisse (Pas-de-Calais) FEW III: drits
drouille (pik.) FEW III: drits
drousse (St-Pol) FEW III: drits
(!) dysenterie (fr.) GR: diarrhee
Escourromen (Gers.) FEW III: excurrere
des Espaignons Urtel, S. 110
faldóriu, faladorzu, -a Pittau: diarrea
(!) flor de sang (sav.) FEW III: fluxus I, 1 b
fluix (kat.) FEW III: fluxus I, 1b
flujo de vientre (sp.) Slaby/Grossmann: Durchfall
flus de ventre (afr./südfr.)
(npr.)
REW 3394
FEW III: fluxus I, 1 a
flusso (di ventre) Gabrielli: diarrea
(!) flux de sang (nfr.) FEW III: fluxus I, 1 b
flux de ventre (Mfr./nfr.) FEW III: fluxus I, 1 a
flux dou ventre (afr.) FEW III: fluxus I, 1 a
fluxo (pg.) FEW III: fluxus, S. 646
foira (pg.) DEEH, S. 668
foire (fr.) REW 3438; FEW III, S. 711 ff.; GR: diarrhée; ALF 588; Diez 586
frendo (nprv.) REW 3309
(!) fru de sang (fr. mda.) REW 3394
(!) fruit de san (Belfort) FEW III: fluxus 1 b
geuille (Havre, Maze) Urtel, S. 113
iscurrentza Pittau: diarrea
(!) iskussura, iskussina (log.) REW 2992; Pittau: diarrea delle bestie
kageta (Lig. occ. - Mònaco) LEI: cacare
kagot (Lomb. Or.) LEI: cacare
kakajario (bask.) De Azkue
kakati De Azkue
(!) kakeri (bask.) De Azkue
kakontzi (bask.) De Azkue
a kámbaras ALI 163, 773 Sárdara (CA)
as kurrènz ALI 163, 757 Usèllus (CA)
labina Pittau: diarrea
laína, láina Pittau: diarrea
laíngiu Pittau: diarrea
lamoste (rum.) Seche: diaree
(al)loína Pittau: diarrea
lorodda Pittau: diarrea
mal au ventre ALF 588
mal da correr Sonder/Grisch: Durchfall
mal di cuarp ASLEF III 1643
mal di cuerpo / corpo AIS 677
mau cagade (Bagneres) FEW II, 1: cacare 3a
REW 5585 FEW IV, 2-3
menazo (pr.) REW 5585
mole tcheye (lütt.) FEW II, 1: cacare 3a
la mòsa ALI 163, 259 Vicenza
mossa di cuarp Faggin
peghiosse Pittau: diarrea
pellĭósso ALI 163, 733 Bitti (NU)
perjosso Pittau: diarrea
pintecaraie (rum.) Seche: diaree
pintecare (rum.) Seche: diaree
pirtuica (rum.) Seche: diaree
prémida Pittau: diarrea
premidas (log.) REW 6738; AIS 677
prémmida Pittau: diarrea
profluvium (lat.) Langenscheidt
profusio (lat.) Langenscheidt
puccus Pittau: diarrea
resolutio (lat.) Langenscheidt
riclya (Lyon) (rum.) Urtel, S. 113
la Royonnaise Urtel, S. 111
la Sablaise Urtel, S. 111
scagaite (frl./volg.) Faggin: chiarole
scagarele (frl.) Faggin: chiarole
scagasa (Piem.) LEI: cacare
sciolta (it./poco pop.) Prati: scorrere; AIS 677; ALEIC X, 1845 a
scorrenza (it.) Gabrielli: diarrea; Prati: scorrere
scurrentz(i)a Pittau: diarrea
soccorrenza (it.) Spano: diarréa
scursoare Seche: diaree
scursura Seche: diaree
seguidillas (sp./ fam.) Slaby/Grossmann: Durchfall
šennenƺa ALI 163, 1042 Paternò (CT)
sfuira (enagd.) REW 3438
sisa (siz.) REW 2589
šite (abruzz.) REW 3018; REW 8000
(!) skagarela ASLEF III, 1643
skageron ASLEF III, 1740
scagot ASLEF III, 1643
skitola (veltl.) REW 8000
šolliménti ALI 163, 517 Vicchio (FI)
soltura (pg.) De Azevedo
stómiku ALI 163, 1029 Melía (Mongiuffi Melía) (ME)
suelto (de vientre) Moliner: diarreia
suta (kalabr.) REW 3018
(!) terchinzu, tirchinzu Pittau: diarrea delle bestie
tgagia (surselv.) Sonder/Grisch: chaja
tgagiarella (surselv.) Sonder/Grisch: chaja
tílimu (vgl. oben attílimu) Pittau: diarrea
tirrèa ALI 163, 876 Chiesanuova (Sannicola) (LE)
treapad (rum.) Seche: diaree
trecatura (rum.) NALR Oltenia I, 136
trepadare (rum.) Seche: diaree
trichinonzu Pittau: diarrea delle bestie
urdinare (rum.) Seche: diaree
urdinat NALR Oltenia I, 136
vintre (rum.) Seche: diaree
zgitarela (trient.) REW 8000